Dovrefjell im Norwegen-Lexikon
Das Dovrefjell gehört zu den weniger bekannten Nationalparks Südnorwegens, aber zu einem der beeindruckendsten Schutzgebiete. Wenn man mit dem Auto von Oslo kommend, Richtung Nordkap unterwegs ist und die Europastraße E6 benutzt, fährt man unweigerlich am Nationalpark Dovrefjell vorbei. Fährt man im Gundbrandstal noch durch dichte Wälder, lichten sich hinter Dombås diese plötzlich und die kahlen Höhen des Dovrefjells treten zu Tage. Die Berge des Dovre bilden einen wichtigen Bestandteil der jüngeren Geschichte Norwegens. Schworen doch die Mitglieder der Eidsvoller Reichsversammlung im Mai 1814 nach dem Ende der dänischen Fremdherrschaft auf die erste norwegische Verfassung „Einig und treu, bis die Berge von Dovre zerfallen“. Das dürfte wohl noch einige Millionen Jahre dauern.
Geprägt wird das raue, eisige aber trockene Gebirgsklima auf dem Dovrefjell von einem Tier, welches den widrigen Witterungsbedingungen mit stoischer Ruhe trotzt, dem Moschusochsen. Eigentlich kommen diese Tiere nur noch in Grönland und dem arktischen Archipel Nordamerikas vor. Ursprünglich in ganz Skandinavien beheimatet, hatte der langhaarige Wiederkäuer die letzte Eiszeit nicht überlebt und war in Norwegen praktisch ausgestorben. Zwar setzte man bereits um 1930 im Dovrefjell wieder Moschusochsen aus, diese überstanden den Zweiten Weltkrieg aber nicht. Wahrscheinlich wurden sie ausgerottet. Nach dem Krieg erfolgte der erneute Versuch einer Einbürgerung und diesmal gelang er auch. Derzeit leben etwa 50 dieser gewaltigen Ochsen im kargen Gebirgsstrich des Dovre. Die Möglichkeit, Moschusochsen in freier Wildbahn zu beobachten, gibt es innerhalb von organisierten Führungen. Die Tiere mit dem sehr dichten, langhaarigen Fell sind übrigens eher mit den Ziegen verwandt als mit den europäischen Rindern.



